Clara Ragaz
1874–1957
2024 ist das Jahr des 150. Geburtstages von Clara Ragaz-Nadig: Sie wurde 1874 in Chur geboren – in Graubünden blieb sie zeitlebens verwurzelt – und starb 1957 in Zürich. Die Pazifistin, Pädagogin, Stimm- und Wahlrechtskämpferin und religiöse Sozialistin steht bis heute im Schatten ihres berühmten Mannes, des Theologen Leonhard Ragaz. Er hinterliess eine Vielzahl an Schriften und konnte für sich beanspruchen, der religiös-sozialen Bewegung der Schweiz ein Gesicht gegeben zu haben. Fakt ist aber: Clara Ragaz-Nadig ging ihrem Mann in wichtigen Entscheidungen voraus. Sie entwickelte – begründet in einer nicht-bürgerlichen christlichen Ethik und eingebunden in ein globales Netzwerk von Aktivistinnen – ihre eigenen Einsatzfelder und Themengebiete: Geschlechtergerechtigkeit, Frieden, Solidarität mit Geflüchteten, Bündnispolitiken zwischen Arbeiterinnen und bürgerlichen Linken sowie Care als Kern jeden Wirtschaftens.
Vielfältige Errungenschaften des 20. Jahrhunderts bauen auf dem Denken und Handeln von Frauen wie Clara Ragaz-Nadig auf – das in der Schweiz spät durchgesetzte Frauenstimm- und Wahlrecht ist nur ein Beispiel. Clara Ragaz-Nadigs Denken und Wirken ist von hoher Aktualität: Ihr dezidiertes Einstehen für Geschlechtergerechtigkeit kann heutige Debatten rund um Geschlecht inspirieren und herausfordern. Clara Ragaz-Nadigs Fähigkeit, Bündnisse und Netzwerke zu bilden, bietet Inspiration für heutige soziale Bewegungen. Als Vordenkerin und Pionierin der Friedensbewegung in der Schweiz sprechen ihre Forderungen ins Heute eines neu geforderten Pazifismus.